Heilandskirche, Leipzig

Unten drunter statt oben drauf

Die neugotische Heilandskirche (erbaut 1888 Joh. Otzen) erfuhr zu DDR-Zeiten massive Umbauten, indem auf Höhe der Emporen eine Decke eingezogen wurde. Der Kirchenraum befand sich fortan im Obergeschoss, und der Zugang erfolgte über eine quer gestellte und sehr beengte Treppe. Die ursprüngliche Wirkung der Kirche war zerstört.

Die interessante Aufgabe bestand nun darin, in den vormals als Kirchenarchiv genutzten Räumen des Erdgeschosses ein multifunktionales Stadtteilzentrum zu entwickeln; ein Ort der Begegnung, Bildung und Beratung. Ziel unseres Entwurfs war neben dem Umbau der Archiv-Räume zu einem attraktiven und besonderen Ort, einen angemessenen und einladenden Zugang zum Kirchraum im Obergeschoss zu schaffen und die Bausünde aus DDR-Zeiten zumindest teilweise zu heilen.

Um die Orientierung zu erleichtern und Synergien zwischen profaner und kirchlicher Nutzung zu fördern, wird das Hauptportal als gemeinsamer Zugang zu Kirche und Stadtteilzentrum genutzt. Über eine Eingangshalle gelangt man in das Foyer, von dem aus die vorhandenen und neuen Funktionen sichtbar und erreichbar sind.
Die neue geschwungene Treppe empfängt nun den Besucher mit „ausgestreckten Armen“ und führt ihn in das Obergeschoss. Durch ein Erweitern der Deckenöffnung werden Einblicke in den Kirchenraum und die Belichtung des Foyers deutlich verbessert.

Die flexible Raumstruktur des Stadtteilzentrums mit multifunktionalem Saal und angelagertem Café ermöglicht unterschiedlichste Veranstaltungsformate. Mehrere Nebeneingänge ermöglichen eine parallele Nutzung und bieten die nötige schwellenarme Anbindung an das Quartier.

Der Umbau wertet durch die neue großzügige Treppe zum Kirchenraum die Kirchliche Nutzung auf und verknüpft sie gleichzeitig durch die Räume des neuen Stadtteilzentrums mit dem Quartier. Dies ist eine schöne und passende Kombination für eine Kirche in der heutigen Zeit.

Profane und sakrale Nutzungen ergänzen sich

Obergeschoss: Kirchenraum

Erdgeschoss: Stadtteilzentrum

Projekt: Umbau von Teilen einer neugotischen Kirche zum Stadtteilzentrum Jahr: 2019 - 2022 Ort: Leipzig Größe: 800qm BGF Bauherr: Kirchengemeinde Plagwitz-Lindenau Status: in Planung